04.07.2019 | 19:30 Uhr Die Grünfrage » 100 JAHRE GROSS-BERLIN

Peter, Franz; Wimmer, Franz (2002) Johann Michael Fischer

Johann Michael Fischer (1692-1766), herausragender Baumeister des bayerischen Barock, gilt als einer der genialsten Raumschöpfer der Architekturgeschichte. Der Kunsthistoriker Herbert Weiermann nennt ihn den Architekten der Oktogone (Fischer von Erlach indes den Architekten der Ovale). Das Arkadenoktogon in immer neuen Varianten begleitet Fischer als architektonisches Thema ein Leben lang. Die berückende Vielfalt seiner Architektur und seine Schaffenskraft beeindruckte schon seine Zeitgenossen, die ihn den "Bayerischen Vitruvius" nannten. Auf seinem Grabstein an der Münchner Frauenkirche kann man lesen, dass er "32 Gotteshäuser, 23 Klöster nebst sehr vielen anderen Palästen, Gemüther aber viele hunderte (.) erbauete". Die Autoren nähern sich diesem gewaltigen Oeuvre als Architekten. Die J. M. Fischer kennzeichnende Übereinstimmung von Raumstruktur und Konstruktion bestimmt ihren Blick. Das Augenmerk richten sie auf die Wiedergabe der Innenräume, die Fischers enorme raumschöpferische Kraft sichtbar werden lassen. Sie gewähren auch seltene Einblicke in die überwältigenden Kuppelräume und zeigen technisch und zimmermannsmäßig hochinteressante Dachstuhlkonstruktionen. Alle Pläne sind im sleben Maßstab (1:400) neu erarbeitet. Die exklusive SW-Fotografie wurde mit Bedacht gewählt; sie rückt Raumschmuck und Ikonografie aus dem Vordergrund, betont dafür aber die baulichen Aspekte an Fischers Werken.

Sitte, Camillo (2002) Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen vermehrt um «Grossstadtgrün»

Camillo Sittes Arbeit, erstmals 1889 in Wien publiziert, veränderte die Stadtplanung in vieler Hinsicht. Der Autor präsentierte sie nicht nur als Manifest, das Kontroversen auslöste; sie war darüber hinaus seit Albertis Schrift ("De re aedificatoria") das erste Buch, das die künstlerischen Aspekte des Städtebaus systematisch darstellte. Heute macht der Blick auf die Geschichte früherer städtebaulicher Leistungen und Projekte das ganze Ausmaß des Verlusts sichtbar und spürbar, das Krieg und Nachkriegsstadtplanung bewirkt haben. Der romantisierende Blick, der schon Sitte eigen war, kann der gegenwärtigen Stadtplanung vielleicht hilfreich sein.

Schneider, Romana; Stegers, Rudolf (2002) Glück, Stadt, Raum in Europa 1945 bis 2000

Wo und wann immer in Europa Städte gegründet wurden, ging ihr Bau mit einer Vorstellung und einem Versprechen von Glück einher. Überall in Europa konzentrierte sich das Planen und Bauen jedoch nicht auf das individuelle, sondern auf das kollektive Glück - sei dieses nun religiöser, politischer oder kultureller Art. Staatliche Vorhaben wandten sich an den Durchschnittsbürger, suchten das Wohl des "Kleinen Mannes" und gingen hier wie dort mit rigidem Social Engineering einher. Glück war jedermanns Glück; Glück war das Glück der Masse. Dieses Buch untersucht die komplexe Beziehung zwischen Architektur und Glück anhand rund dreißig realer Orte in ganz Europa, etwa dem New Town Centre Cumbernauld (Großbritannien), der Ferienstadt La Grande Motte (Frankreich), dem Autobahnrestaurant Novara (Italien), der Christ-Erlöser-Kathedrale Moskau (Rußland), das Haus der Feiern Tiflis (Georgien) oder die Gartensiedlung Tapiola (Finnland). Dabei wird sehr viel seltenes Material gezeigt und wenig bekannte Bauten vorgestellt

Lampugnani, Vittorio Magnago (2002) Verhaltene Geschwindigkeit Die Zukunft der telematischen Stadt

Werden wir künftig noch in Städten leben? Und wenn wir in Städten leben, wie werden sie aussehen? Der in Zürich lehrende Architekt und Architekturhistoriker Lampugnani untersucht die Zukunft des Städtebaus unter den heutigen Bedingungen einer immer stärkeren Kommunikation und Vernetzung. Die telematische Stadt ? eine leere oder eine belebte Stadt? Muss sie entzerrt oder verdichtet werden? Wird sie über mehr oder weniger Verkehrsmittel verfügen? Müssen ihre Gebäude mono- oder multifunktional sein, dauerhaft oder vorläufig? Und wie stark muss Stadtplanung eingreifen?

Prokop, Ursula (2001) Rudolf Perco 1884-1942 Von der Architektur des Roten Wien zur NS-Megalomanie

Rudolf Perco galt schon während seiner Studienzeit (1906-1910) als Musterschüler Otto Wagners und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen (u. a. Rompreis 1910). Daneben arbeitete er noch als Student im Büro von Hubert Gessner. Dieses Umfeld ist auch für sein späteres Ruvre prägend. Seine ersten Realisationen - zwei repräsentative Wohnhäuser - fallen in die kurze Baukonjunktur der letzten Friedensjahre. Die schlechte Auftragslage unmittelbar nach dem Krieg wird überbrückt durch den Ausbau der Gmundner Villa für Margaret Wittgenstein-Stonborough. Erst der Aufschwung durch das Wohnbauprogramm der Wiener Sozialdemokratie bietet dem Architekten die Möglichkeit, seine Vorstellungen in mehreren Wohnhausanlagen umzusetzen, darunter der Engelsplatz-Hof, das größte Projekt dieser Periode überhaupt. Daneben immer wieder Beteiligungen an zahlreichen Konkurrenzen, u. a. Chicago Tribune und dem Völkerbundpalast, die sein Werk in einer sehr eigenwilligen Auseinandersetzung mit dem zeitgenössischen Architekturgeschehen zeigen. Ein Schwerpunkt ist auch die Beschäftigung mit großen städtebaulichen Projekten für Wien. Infolge seiner völligen Auftragslosigkeit während der Ära des Ständestaates verliert er sich schließlich zunehmend an Studien, die von der Wirklichkeit abgehoben, von phantastisch überbordenden Ideen geprägt sind, vergleichbar mit der Formenwelt eines Josef Pleãnik. Ein Ende dieser ausweglosen Situation scheint sich zuletzt durch die Machtergreifung der Nazis anzuzeigen, als es ihm - als einzigem Österreicher - gelingt, in der NS-Stadtparteileitung für Wien Fuß zu fassen. Eine kurze Illusion, die aber bald zum totalen Scheitern und Selbstmord führt.

Bianca, Stefano (2001) Hofhaus und Paradiesgarten Architektur und Lebensformen in der islamischen Welt

Um die heutigen Probleme der islamischen Welt angemessen zu beurteilen, gilt es, das Verständnis für die traditionellen Denk- und Verhaltensmuster der islamischen Kultur zu schärfen, die als untergründige Kräfte bis in die Gegenwart hineinwirken und in Architektur und Kunst einen besonders gut faßbaren Niederschlag gefunden haben. Das vorliegende Buch, die Summe einer mehr als 25-jährigen, von kritischer Sympathie getragenen Auseinandersetzung mit islamischer Baukunst und islamischer Lebenskultur, bietet eine Anleitung zu solch tieferem Verständnis. Stefano Bianca beschreibt hier die archetypischen Grundformen der islamischen Architektur: das Haus, den Palast, den Garten, die Moschee und das Bad sowie die öffentlichen Gebäude, die Grabbauten, die Märkte und die Vielfalt der Gewerbebauten. Er erklärt, wie sie gegliedert sind, wie sie benutzt wurden - und werden - und wie sie sich zu einzigartigen Stadtstrukturen zusammenfügen. Darüber hinaus beleuchtet der Autor anhand von literarischen und philosophischen Quellen die spirituellen Voraussetzungen der islamischen Kunst, die im ornamentalen Bauschmuck einen ihrer Höhepunkte findet. Über die äußeren Stilmerkmale hinausgehend entsteht so ein ganzheitliches Panorama der vielfältigen architektonischen Gebilde islamischer Baukunst.

Smithson, Alison und Peter; Unglaub, Karl (2001) Italienische Gedanken, weitergedacht

»Der Schwerpunkt unserer Aufmerksamkeit«, heißt es bei Alison und Peter Smithson, »hat sich verlagert: von Gebäuden als Objekten auf die Auswirkungen der Gebäude zur räumlichen Ausformulierung des Territoriums. So wie der Wohnungsbau die wichtigste Aufgabe der Architekten der Klassischen Moderne war, sollte die räumliche Ausformulierung des Territoriums die wichtigste Aufgabe unserer Zeit sein. «Im Sinne dieser Forderung entwickelt »Italienische Gedanken - weitergedacht« die in dem 1996 erschienenen ersten Band untersuchte Beziehung zwischen Gebäuden und ihrer Umgebung, zwischen Architektur und natürlicher und gebauter Welt produktiv weiter: im Zeichen eines architektonischen Entwerfens, das Klarheit und Komplexität, Anschaulichkeit und Einfachheit in einen neuen Zusammenhang bringt. Ebenfalls erhältlich: Alison und Peter Smithson, Italienische Gedanken. Beobachtungen und Reflexionen zur Architektur (Bauwelt Fundamente, Bd. 111) ISBN 3-7643-6386-4

Corboz, André (2001) Die Kunst, Stadt und Land zum Sprechen zu bringen

Zwischen Architektur, Stadt und Landschaft existiert eine Wechselbeziehung, die immer wieder aus dem Blick gerät. Corboz entziffert die Bildungs- und Gestaltungsprozesse, die in der Stadt zusammenlaufen, als Entwicklungen innerhalb eines dynamischen Universums.

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